Solar-Bürger-Genossenschaft die unabhängige Freiburger Energie-Genossenschaft

Frische Luft in behaglicher Zeit - das (Raum-)Klima im Griff behalten

(Erstveröffentlichung: SolarRegion 2015-04)

Mehrere Bewohner in einer Wohnung – da können die Bedürfnisse schon mal stark voneinander abweichen. Nicht nur im Altbau, sondern auch im energieeffizienten Neubau ist daher eine moderate Wohnraumtemperatur, die es allen erlaubt, jahreszeitengemäß gekleidet zu sein, eine gute Lösung. Ein Lieblingspulli kann helfen, die kalten Tage mit Vorfreude zu erwarten. Vielleicht wäre das ein tolles Weihnachtsgeschenk? Und da hätten wir gleich noch eine Idee: Analoge Wetterstationen zeigen laufend und objektiv Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchte an. Das hilft, das richtige Maß für Heizung und Lüftung zu finden.

Warum überhaupt lüften?

Die Luftfeuchte sollte zwischen 35 und 65 Prozent liegen. Darunter ist es unangenehm bis belastend für die Atemwege und die Haut, darüber riskant für die Schimmelentwicklung an den Außenwänden. Wo kein automatisches Lüftungssystem installiert ist, ist Lüften also immer dann angesagt, wenn diese Grenzen überschritten sind. Wie man beim Kochen, Waschen oder Duschen ganz entspannt die Dampfentwicklung reduziert, haben wir in den vorigen Ausgaben teilweise schon angesprochen. Je weniger Dampf erzeugt wird, desto weniger muss gelüftet - und somit geheizt werden.
Natürlich braucht es sowieso immer mal frische Luft, um den CO2-Anteil in der Luft und andere Stoffe zu verdünnen, die aus der Einrichtung, den Ausdünstungen der Bewohner, durchs Kochen und durch die Verwendung von Reinigungsmitteln etc. in die Luft geraten. Ganz aufs Lüften verzichten kann man also auch bei sehr reduzierter Dampfentwicklung nicht. Wo Feuer zum Kochen oder Heizen zum Einsatz kommt, ist eine gezielte Luftzufuhr natürlich unabdingbar, da Feuer Sauerstoff verbraucht.

Feuchte Luft ist relativ

Bringt Lüften was, wenn es draußen neblig ist oder sogar regnet? Ja, denn kalte Luft kann weniger Wasser speichern, als warme Luft. Wenn es draußen 5°C sind und regnet, also 100% relative Luftfeuchte hat, dann hat diese Luft nach dem Erwärmen auf 19°C Zimmertemperatur eine Luftfeuchte von nicht einmal mehr 40% (wenn man die Zimmerluft komplett austauschen würde).
Wie am effizientesten gelüftet wird, ist bekannt: die Luft austauschen, aber nicht die Wände abkühlen lassen. Das heißt: wenn irgend möglich, wenige Minuten auf Durchzug stellen. Manuelle Heizungsthermostate werden solange heruntergedreht. Längere Zeit gekippte Fenster erreichen das Gegenteil: wenig Luft wird ausgetauscht und der Raum kühlt aus, insbesondere die Wände um die Fensteröffnung werden kalt, so dass die daran entlangstreifende Raumluft dort kondensieren kann.
Abends vor dem Schlafengehen, wenn die Heizung sowieso auf Nachtabsenkung gestellt wird und morgens, bevor sie warm wird, fünf Minuten Türen und Fenster auf Durchzug zu stellen, reduziert den Wärmeverlust. In der Nacht helfen geschlossene Fensterläden, die Kälte abzuhalten.

Heizung abregeln oder nicht?

Viel diskutiert wird die Frage, ob es Energie spart oder verschwendet, wenn die Heizung während einer Abwesenheit heruntergedreht wird. Letztlich ist das von der Dauer der Reduzierung und von den Temperaturunterschieden abhängig. Und dann wieder von der Speicherfähigkeit des Gebäudes - und sogar vom Wetter während der Aufheizphase. Weil dies so komplex ist und der potenzielle Schaden größer als der Nutzen, wird das vollständige Abregeln meist nicht empfohlen, insbesondere nicht in den kältesten Tagen des Jahres und auch nicht, wenn es beheizte Nachbarwohnungen gibt. Und insbesondere nicht in Gebäuden, in denen Feuchtigkeit im Gemäuer auftritt oder Wärmebrücken vorhanden sind oder die verschattet stehen. Also die Sonne reinlassen, wo immer es geht! Während des Winterurlaubs am besten die Fensterläden auf der Südseite offen lassen, wenn die Temperatur heruntergeregelt wird.

Behaglichkeit ist nicht nur eine Frage der Raumtemperatur

Die Wohlfühltemperatur hängt übrigens nicht nur von der messbaren Temperatur ab, sondern auch von Luftfeuchte und Luftbewegung, die durch die Heizungsluft oder Zug entsteht, den Temperaturunterschieden im Raum, z.B. durch die Abstrahlung von kalten Oberflächen, der Kleidung, der eigenen momentanen Kondition usw. Abdichten der Zugluftritzen, gute Kleidung und Joga können mehr zur Behaglichkeit beitragen als Hochheizen.

Energiespartipps zum Heizen und Lüften: https://www.verbraucherzentrale-energieberatung.de/themen/gesundes_klima.html