Solar-Bürger-Genossenschaft die unabhängige Freiburger Energie-Genossenschaft

Klimakultur in der Dusche

(Erstveröffentlichung: SolarRegion 2015-03)

Ganz CO2-frei geht‘s wohl nicht: Schon allein das Kaltwasser wird mit elektrischen Pumpen befördert. Wer aber für das Klima kalt duscht, ist definitiv ein Held. Leider hat nicht jeder Mensch das Zeug zum Helden oder zur Heldin– und damit wird die morgendliche kalte Dusche sicher keinen breiten Einzug in unsere Kultur finden. Doch eine klimaschonende Körperpflege ist auch gut fürs Wohnklima und spart gleichzeitig Zeit und Energie. Gewöhnen wir uns doch an, den Mischhebel am Wasserhahn nach jeder Benutzung ganz nach rechts, auf die kalte Seite zu drehen. Dann nutzen wir nur dann warmes Wasser, wenn wir es bewusst haben möchten. Denn wie häufig am Tag spülen wir uns nur kurz die Hände ab, ohne auf das warme Wasser zu warten?

Renaissance der Waschlappen

Bei der morgendlichen Wäsche sind die Bedürfnisse natürlich sehr unterschiedlich. Machen wir uns einmal bewusst, warum wir morgens duschen, zeigt sich aber, dass es nur wenige Stellen sind, auf die es wirklich täglich ankommt. Beispielsweise unter den Armen: Wer einen Waschlappen besitzt, kann sich hier sehr angenehm einseifen, abwaschen, fertig. Das geht mit erstaunlich kühlem Wasser – für die, die jetzt Ehrgeiz entwickeln. Als Ergänzung dazu wäre noch ein Bidet sehr praktisch, doch das hat nicht jedeR. Aber vielleicht findet sich dennoch eine Möglichkeit, die Dusche ersatzweise gezielt einzusetzen.

Warmduschen angesagt

Soll es doch eine Volldusche sein, haben wir immer noch drei Parameter, um den Warmwasserverbrauch zu senken: Zeit, Druck und Temperatur. Wir drehen also nicht voll auf, machen nur dann an, wenn wir fließend Wasser brauchen und duschen mit einer angenehm erfrischenden lauwarmen Temperatur. Wer einen Haupthahn im Bad hat, kann den warmen und kalten Zufluss so vorregeln, dass der Mischhebel an der Dusche trotzdem voll aufgedreht werden kann, was die Bedienung erleichtert. Wenn wir einen Warmwasserzähler in der Wohnung haben, schauen wir einmal, was wir für einen Warmwasserverbrauch pro Duschgang haben. Dann treten wir mit uns selbst in den Wettbewerb und versuchen, den Verbrauch jedes Mal ein wenig zu verringern. Haben wir keinen Zähler, dann setzen wir uns das ehrgeizige Ziel, nach dem Duschen keinen Niederschlag am Spiegel oder fast keinen am Fenster zu finden.

Was können wir sparen?

Zehn Liter Warmwasser pro Duschgang einzusparen, ist – je nachdem, wie vorher geduscht wurde – oft kein Problem. Das entspricht je nach eingestellter Warmwasser-Temperatur etwa 1,3 Kilowattstunden. Nun kommt es noch darauf an, wie oft wir pro Jahr duschen und ob wir diese Häufigkeit auch reduzieren, indem wir öfter den Waschlappen einsetzen (bzw. mehrere Waschlappen im Wechsel, damit einer immer trocknen kann!). Bei 150 Duschgängen pro Jahr beispielsweise sind das fast 200 Kilowattstunden. Das entspricht fast 50 Kilo CO2 pro Person bei der Verwendung von Gas, das Doppelte bei elektrischer Wassererwärmung. Pro Person können in diesem Fall über 20 Euro pro Jahr eingespart werden. Ob das Duschen zu mehreren beim Sparen hilft, ist nicht erwiesen, kurz nacheinander duschen natürlich schon, weil ja der Vorlauf eingespart wird.

Ganz nebenbei …

Beim Abtrocknen wischen wir die paar Tropfen Wasser auf den Armaturen nebenbei mit dem Handtuch ab, das Wasser an den Kacheln mit dem Wasserschieber und sparen uns viel Putzzeit. Auch das Gemäuer wird durch die geringere Dampfentwicklung geschont, Schimmel vermieden und die Gesundheit gesichert. Es muss weniger gelüftet werden und so sparen wir auch gleich noch Heizungswärme. Was will man mehr?

Gerubbelt, nicht geföhnt

Nun sind die Haare nass. Bevor aber der Föhn zum Einsatz kommt, drücken wir so viel Wasser aus den Haaren wie möglich. Bei langen Haaren schlagen wir dann mit dem eingedrehten Handtuch weiteres Wasser aus, kurze werden einfach möglichst lange gerubbelt. Zwischendurch mal Durchbürsten hilft und spart das Föhnen vielleicht sogar ganz.

Weitere Infos bietet der Bund der Energieverbraucher:
http://www.energieverbraucher.de/de/Duschen__1519/

Viele Ratgeber zum Energiesparen drängen uns, entweder neue effizientere Geräte zu kaufen oder zusätzliche Geräte, mit denen wir den Verbrauch reduzieren oder überwachen können. Das kann alles sinnvoll sein, steht uns aber nicht immer sofort zur Verfügung. Häufig können wir durch kleine Änderungen unserer Gewohnheiten auch schon eine ganze Menge erreichen – und überraschend oft mit positiven Effekten, die über den Klimabeitrag hinausgehen.
Wenn Sie auch schon solche Erfahrungen gemacht haben, schreiben Sie uns!