Solar-Bürger-Genossenschaft die unabhängige Freiburger Energie-Genossenschaft

Vom Hören

(Erstveröffentlichung: SolarRegion 2016-04)

Geräte für Stereo, Hi-Fi und Co. gehören in vielen Haushalten zu den Langläufern, weshalb wir sie hier einmal auf ihre Energieeffizienz hin durchleuchten. / Von Ingo Falk, Energieeffizienz – Beratung – Entwicklung, Freiburg

500 Watt!!!

… so und ähnlich werden Hifi-Anlagen angepriesen. Das allein sagt aber nur etwas über die Belastbarkeit der Boxen aus, nicht über die erreichbare Lautstärke und schon gar nicht über die Effizienz.
Der Schalldruckpegel wird in dB (Dezibel) angegeben und in einem Meter Abstand gemessen, mit Watt (W) ist dagegen die Leistungsaufnahme gemeint und die hat was mit dem Energiebedarf zu tun. Wenn wir wissen wollen, wie laut die Boxen sein können, suchen wir also nach einer Angabe in dB. So entsprechen z.B. 60dB etwa Zimmerlautstärke. 90dB sind für Wohnräume schon sehr laut, und führen auf Dauer mit Sicherheit zu Ärger mit den Mitmenschen.
Die Effizienz bei Lautsprechern erkennen wir am Kennschalldruck. Das ist der Schalldruckpegel bei einem Watt Verstärkerleistung (dB/W), der in einem Meter Abstand gemessen wird. Dabei entspräche ein Kennschalldruck von 112dB/W einem Wirkungsgrad von 100 Prozent. In der Regel liegen die Wirkungsgrade jedoch unter einem Prozent, das sind dann 92dB/W, oft sogar unter 0,1 Prozent oder 82dB/W. Manche Boxen haben also einen zehnmal höheren Energieverbrauch für die gleiche Lautstärke wie andere.

Die Boxen machen was her

Physikalisch bedingt ist es so, dass der Wirkungsgrad zunimmt, wenn die angeregte Membranfläche vergrößert wird. Damit einher geht aber auch das Volumen der Lautsprecherbox, so dass eine effiziente Box von Natur aus große Abmessungen aufweist, während die heute verbreiteten Satelliten-Systeme und Minilautsprecher prinzipiell eine geringere Stromeffizienz besitzen. Ein Kennschalldruck von 90dB/W erfordert je nach Bauart eine Standbox von ca. 50 bis 100 Litern. Diese Größe ist im Wohnbereich gerade noch akzeptabel.
Für den Verstärker wird oft eine mehr als zehnfache Überdimensionierung empfohlen, um Schaden an den Boxen zu vermeiden. Für 90dB-Boxen, die wir im Mietshaus sicher selten an ihre Leistungsgrenze bringen, müsste demnach die Verstärkerleistung bei einem Wirkungsgrad von 0,1 Prozent 100W betragen. Grund genug also, sich mit der Stromeffizienz von Hi-Fi-Verstärkern zu befassen.

Der Verstärker ist smart

Der Wirkungsgrad herkömmlicher analoger Verstärkerschaltungen liegt bei unter 50 Prozent. Im Teillastbetrieb, d.h. bei normaler Zimmerlautstärke, steigt der Verlustanteil um ein Vielfaches, so dass auch beim Leisehören 20W nicht unterschritten werden.
Digitale Verstärkerschaltungen, sogenannte „Class-D-Verstärker“, ermöglichen bei Vollaussteuerung Wirkungsgrade von bis zu 90 Prozent und weisen auch im Teillastbetrieb geringere Verluste auf. Ergänzen wir diesen Verstärker mit einem Schaltnetzteil und regeln darüber die Betriebsspannung und damit die Ausgangsleistung, reduzieren wir die Teillastverluste weiter und haben nun einen sehr robusten, leistungsfähigen und recht kleinen Verstärker. Eine dauerhafte Überdimensionierung ist damit nicht erforderlich.

Nähe bringt‘s

Für die Auswahl der richtigen Kombination von Lautsprechern und Verstärker, sollten wir uns also fragen, wie laut wir hören wollen und wie groß die Wohnung, also die übliche Entfernung zur Box ist. Dann prüfen wir den Wirkungsgrad der Boxen, stimmen den Verstärker optimal darauf ab und regeln diesen über die Spannung. Mögliche jährliche Einsparungen liegen im zweistelligen Euro-Bereich, je nach Hörgewohnheit.
Da der Schalldruck vom Abstand zur Schallquelle abhängt, reduzieren wir übrigens mit Kopfhörern nicht nur die Beschallung der Nachbarn sondern auch den Strombedarf ganz erheblich. Hier landen wir im Milliwattbereich, um das gleiche Hörerlebnis zu erzeugen. D.h. wer wirklich wenig Strom beim Musikhören verbrauchen will, sollte zum Kopfhörer greifen!
Weitere Infos gibt’s bei der kostenfreien Energiesparberatung “Zuhause A+++“ der Stadt Freiburg: www.freiburg.de/zuhause-a-plus sowie den Beratungsangeboten der Verbraucherzentralen: www.verbraucherzentrale-energieberatung.de