Solar-Bürger-Genossenschaft die unabhängige Freiburger Energie-Genossenschaft

Zeit, Strom und Nerven sparen beim Kochen

(Erstveröffentlichung: SolarRegion 2015-2)

Was ist eigentlich Energieeffizienz? Wir Frauen haben da einen guten Indikator: je weniger der Busen beim Joggen hüpft, desto effizienter laufen wir. Schade, wird sich mancher Zeitgenosse sagen. Stimmt: Nicht immer ist Energieeffizienz sexy. Aber wir wollen ja nicht zum Mond, sondern zum Ziel. Die vertikale Bewegung brauchen wir dazu eigentlich nicht. Genauso ist es bei der Stromerzeugung. Konventionelle Kraftwerke erzeugen mehr Wärme als Strom, obwohl sie die Wärme meist nicht nutzbar machen können. Das ist ineffizient. Darum wollen wir so wenig Strom wie möglich verbrauchen. In unserer neuen Kolumne möchten wir Ihre Tricks verarbeiten: Wo haben Sie in Ihrem Alltag eine unkonventionelle Lösung gefunden, die über das hinausgeht, was uns Energiesparberater beibringen und möglicherweise breitentauglich ist? Schreiben Sie uns!

Wer noch einen klassischen Elektroherd nutzt, weiß sicher, wie verschwenderisch das ist. Mit ineffizient erzeugtem Strom erhitzen wir zuerst die Herdplatte und den Topf, bevor das Essen dran ist. Induktionsherde und Mikrowellengeräte reduzieren immerhin diesen Zusatzaufwand und Gasherde verbrauchen gar keinen Strom. Aber nicht jeder hat die Wahl. Viele ahnen gar nicht, wie lässig Kochen sein kann, wenn man sich die erhitzte Kochplatte zunutze macht – und dass es auch dabei auch noch jede Menge Spielraum gibt beim Energiesparen!

Meist haben diese Herde vier gusseiserne Kochplatten: eine kleine mit 1.000 Watt (W), eine kleine mit rotem Punkt und einer Leistung von 1.500 W, genauso viel wie die größere Platte ohne roten Punkt. Die große Platte mit Punkt hat dann 2.000 W.

Die bittere Wahrheit: Mein Herd ist dumm

Das heißt, wenn man diese 2.000-W-Platte auf höchster Stufe eine Stunde voll anlassen würde, würde sie 2 Kilowattstunden (kWh) verbrauchen, so viel wie 20 herkömmliche 100-W-Glühbirnen in der gleichen Zeit. Und zwar unabhängig davon, ob ein Topf mit Deckel drauf darauf steht oder ohne. Deckel drauf hilft bei solchen Herden, die gewöhnlich nicht thermostatgeregelt sind, also nur, wenn man dann auch herunterschaltet.

Der Spaß beginnt da, wo die Platten ganz aus sind. Sie sind nämlich noch sehr lange heiß. Darum kann man die meisten Gemüse, sowie Eier, Reis und Nudeln und auch viele Linsenarten bei ausgeschalteter Platte garen. Im Grunde alles, was innerhalb von 30 Minuten gar ist. Wir erhitzen also das kleingeschnittene Gemüse mit etwas Wasser und Öl und dem Deckel drauf, bis es kocht und schalten direkt die Platte aus. Wer jetzt noch anderes zu tun hat, muss sich keine Sorgen machen: Nach 20 Minuten ist das Essen fertig. Brauchen wir länger, passiert nichts Schlimmes, denn gar so schnell wird das Essen nicht kalt. Und vergessen kann man das Ausschalten auch nicht mehr.

Sehr cool ist auch dies: Wir setzen Spaghetti oder weißen Reis auf, heizen sie bei geschlossenem Deckel auf (Spaghetti mit der Gabel anfangs auflockern), schalten aber schon kurz vor dem sprudelnden Kochen die Platte aus. Mit etwas Erfahrung (und etwas Spielraum im Topf) ist die Beilage nach der angegebenen Garzeit fertig, ohne dass das Wasser übergekocht ist.

Probieren geht über studieren

Es hängt von der Wassermenge und der Topfform ab, wie gut sich die Hitze im Topf verteilt. Logisch: je weniger Wasser, desto weniger Energiebedarf, um dieses zu erhitzen. Gleichzeitig steigt aber das Risiko, dass die oberen Lagen nicht genug Dampf bekommen. Auf das richtige Verhältnis kommt´s also an. Das Aroma gewinnt jedenfalls durch sparsamen Wassereinsatz. Da es manchen Gemüsen gut tut und andere dagegen ungenießbar sind, wenn sie "al dente" sind, kann man durch die richtige Reihenfolge bei der Schichtung auch noch was rausholen.

Was sparen wir? Das hängt natürlich davon ab, wie wir vorher gekocht haben. Sagen wir, wir hätten das Gemüse vorher zunächst auf Stufe 6 zum Kochen gebracht und dann 20 Minuten lang auf 2 sprudelnd gekocht und dies wären zusammen ca. 180 Wh. 55 Wh davon können wir nun täglich pro Beilage einsparen, denn das Sprudeln ist gar nicht nötig zum Garen.

Ein Highlight gibt es noch: Wer energiesparend und dann auch noch für viele kocht, stellt alles andere in den Schatten. Also öfter mal mit Freunden zum Essen treffen!

Wir alle haben unsere eigenen Kochgewohnheiten und Lieblingsgerichte. Manchmal wissen wir aber gar nicht so genau, warum wir etwas so machen und nicht anders. Mit etwas Spaß am Experiment ergeben sich vielleicht ein paar überraschende Erkenntnisse darüber, wie lecker einfaches, energie- und zeitsparendes Kochen sein kann!

Weitere Infos gibt es hier:
http://www.hausgeraete-plus.de/kochen-und-backen/energieeffizient-kochen
http://www.energiesparende-geraete.de/magazin/energiesparend-kochen-und-backen/
http://www.energiesparentipps.de/kochen-backen.html